Was sind die galicischen Horreos (Getreidespeicher)?
Inhaltsverzeichnis
Die galicischen Horreos
Die galicischen Getreidespeicher (Hórreos) zählen zu den markantesten architektonischen Symbolen Galiciens und sind ein besonderer kultureller Ausdruck im europäischen Kontext. Diese in dieser Region Spaniens weit verbreiteten, erhöhten Bauwerke entstanden aus dem Bedürfnis heraus, Lebensmittel vor Bodenfeuchtigkeit und Tieren zu schützen, die die landwirtschaftlichen Flächen heimsuchten. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sie sich nicht nur zu einer funktionalen Ressource, sondern auch zu einem wesentlichen Bestandteil des kulturellen, ethnografischen und landschaftlichen Erbes und tragen wesentlich zum Verständnis der Geschichte des ländlichen Lebens bei.
Was sind galicische Getreidespeicher? Ursprung und Funktion der Getreidespeicher
Der Begriff „Hórreo“ stammt vom lateinischen Wort „horreum“ ab, was so viel wie „Speicher“ oder Getreidelager bedeutet. Seine Hauptfunktion bestand darin, landwirtschaftliche Produkte wie Mais, Weizen, Kastanien oder Roggen trocken und gut belüftet zu lagern.
Die galicischen Horreos, die überwiegend aus Holz und Granitstein errichtet wurden, zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf Säulen, in Galicien „pegollos“ genannt, stehen, die in kreisförmigen Stücken, sogenannten „tornarratos“ oder „vira-ratos“, enden. Diese sind speziell dafür ausgelegt, Nagetiere daran zu hindern, an die gelagerten Lebensmittel zu gelangen.
Die erhöhte Bauweise erleichtert nicht nur die Belüftung, sondern schützt den Inhalt auch vor Bodenfeuchtigkeit – eine große Herausforderung in einer so regenreichen Region wie Galicien. Dank dieser äußerst effektiven Konstruktion haben sich die Hórreos nicht nur über Jahrhunderte bewährt, sondern wurden auch in verschiedenen Teilen der Welt, in denen sich galicische Auswanderer niederließen, insbesondere in Lateinamerika, kopiert.
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Morphologie und Typologie
Obwohl alle galicischen Horreos dem Zweck der Lebensmittelkonservierung dienen, variiert ihre Bauweise je nach Region Galiciens erheblich. Die auffälligsten Unterschiede zeigen sich in der Dachform, den Stützsteinen und der Gesamtkonstruktion.
An der Küste sind beispielsweise lange Getreidespeicher mit Schieferdächern und großen Seitenfenstern verbreitet, die die Brise zur Belüftung nutzen. Im Landesinneren sind manche Modelle kompakter und robuster, angepasst an regenreichere Klimazonen. Stein und Holz sind die vorherrschenden Baumaterialien, wobei in manchen Gegenden nur eines dieser beiden Materialien verwendet wird. Dies variiert stark von Region zu Region.
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Der Getreidespeicher von Carnota: der längste in Spanien
Unter all den galicischen Horreos ragt einer besonders hervor: der Horreo von Carnota. Er befindet sich in der Stadt Carnota in der Provinz A Coruña und ist bekannt dafür, mit über 32 Metern der längste in Galicien zu sein. Seine monumentale Größe beeindruckt nicht nur durch seine Dimensionen, sondern auch durch seinen bemerkenswerten Erhaltungszustand über die Jahrhunderte.
Der Getreidespeicher von Carnota ruht auf 32 Säulenpaaren aus Stein und ist mit einem scheinbar endlosen Dach aus lokalen Ziegeln gedeckt. Diese Länge spiegelt die einstige Bedeutung der Landwirtschaft in der Region wider, als beträchtliche Lagerflächen benötigt wurden, um die Ernten für die örtliche Gemeinde zu lagern.
Dieses Beispiel ist ein eindrucksvolles Zeugnis galicischer Architekturtradition und ein anschauliches Beispiel dafür, wie die ländliche Bevölkerung die verfügbaren Ressourcen – Stein, Holz und Lehm – nutzte, um eine effiziente und langlebige Infrastruktur zu errichten, die sich harmonisch in die Umgebung einfügte. Heute gilt es als Denkmal und zieht jährlich zahlreiche Touristen an.
Kulturerbe und Denkmalpflege
Seit Jahren genießen die Hórreos (traditionelle galicische Getreidespeicher) offizielle Anerkennung als Teil des galicischen Kulturerbes. Viele dieser Bauwerke wurden von öffentlichen Institutionen und Kulturorganisationen restauriert und geschützt, um dieses ethnografische Erbe zu bewahren.
Die Denkmalschutzbestimmungen haben dazu beigetragen, dass viele galicische Getreidespeicher, die aufgrund der Landflucht vom Verschwinden bedroht waren, nicht nur gerettet, sondern auch von den Galiciern selbst und von Besuchern aus anderen Regionen bewundert werden konnten.
Ein Symbol der Identität
Über ihre ursprüngliche Funktion hinaus stellen die galicischen Horreos einen wesentlichen Bestandteil der galicischen Identität dar. Ihre Silhouette vor der grünen Landschaft, ihre natürlichen Materialien und ihre Präsenz in kleinen Dörfern und an ländlichen Hügelhängen erinnern an eine Lebensweise, die die Geschichte Galiciens tiefgreifend geprägt hat.
In der Populärkultur tauchen Hórreos auf Fotografien, Postkarten, in Reiseführern und Kunstwerken auf und spiegeln die ästhetische Kraft von Schlichtheit und Funktionalität wider. Sie sind zu einem Symbol nicht nur Galiciens, sondern ganz Spaniens geworden.
Wie man den Getreidespeicher von Carnota, den längsten Spaniens, besichtigt
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